Der vollständige Diwan

Alle 495 Ghaselen des Hafis. Suche nach Nummer oder persischen Wörtern.

  1. Ghasel 1: O Schenke, lass den Becher kreisen und reiche ihn dar,
  2. Ghasel 2: Wo ist das rechte Tun, und wo bin ich, der Verwüstete?
  3. Ghasel 3: Wenn jene Türkin aus Schiras mein Herz in ihre Hand nähme,
  4. Ghasel 4: Morgenwind, sag jener anmutigen Gazelle freundlich:
  5. Ghasel 5: Mein Herz entgleitet meiner Hand; ihr Herzenskundigen, um Gottes willen!
  6. Ghasel 6: Wer bringt dieses Gebet zu den Dienern des Sultans:
  7. Ghasel 7: Komm, Sufi, denn der Becher ist ein klarer Spiegel;
  8. Ghasel 8: Steh auf, Schenke, und reiche den Becher;
  9. Ghasel 9: Der Garten hat wieder den Glanz der Jugendzeit;
  10. Ghasel 10: Gestern Nacht kam unser Meister aus der Moschee zur Schenke;
  11. Ghasel 11: Schenke, erleuchte unseren Becher mit dem Licht des Weins;
  12. Ghasel 12: Der Mond der Schönheit hat seinen Glanz von Eurem strahlenden Gesicht;
  13. Ghasel 13: Der Morgen dämmert, und die Wolke hat ihr Zelt gespannt;
  14. Ghasel 14: Ich sprach: O Sultanin der Schönen, erbarme dich dieses Fremden.
  15. Ghasel 15: O heilige Schöne, wer löst das Band deines Schleiers?
  16. Ghasel 16: Die Krümmung, die deine kecke Braue in den Bogen legte,
  17. Ghasel 17: Meine Brust verbrannte am Feuer des Herzens im Kummer um die Geliebte;
  18. Ghasel 18: Schenke, gesegnet sei dir das Kommen des Festes,
  19. Ghasel 19: O Morgenwind, wo ist die Ruhestatt der Freundin?
  20. Ghasel 20: Das Fasten ist vorbei, das Fest ist gekommen, und die Herzen erhoben sich;
  21. Ghasel 21: Herz und Glaube waren dahin, und die Herzensdiebin erhob sich zum Tadel;
  22. Ghasel 22: Hörst du das Wort der Herzensmenschen, so sag nicht, es sei falsch;
  23. Ghasel 23: Das Bild deines Gesichts ist auf jedem Weg unser Begleiter;
  24. Ghasel 24: Verlange weder Gehorsam noch Gelübde noch Tugend von mir Trunkenem,
  25. Ghasel 25: Die rote Rose ist erblüht, und die Nachtigall ist trunken;
  26. Ghasel 26: Das Haar zerzaust, erhitzt, mit lachender Lippe und trunken,
  27. Ghasel 27: Meine Geliebte kam in den Tempel der Magier, einen Becher in der Hand,
  28. Ghasel 28: Beim Leben des Herrn, bei altem Recht und treuem Bund:
  29. Ghasel 29: Was kümmert uns bei dem Gedanken an dich der Wein?
  30. Ghasel 30: Deine Locke band tausend Herzen mit einem einzigen Haar;
  31. Ghasel 31: Jene Nacht der Bestimmung, von der die Zurückgezogenen sprechen, ist heute;
  32. Ghasel 32: Als Gott die Form deiner herzöffnenden Braue schuf,
  33. Ghasel 33: Was braucht, wer die Einsamkeit wählte, den Ausflug zum Schauen?
  34. Ghasel 34: Die Halle, aus der mein Auge schaut, ist dein Nest;
  35. Ghasel 35: Geh deiner Wege, Prediger; was soll dieses Geschrei?
  36. Ghasel 36: Seit die Spitze deiner Locke in die Hand des Windes fiel,
  37. Ghasel 37: Komm, denn der Palast der Hoffnung steht auf sehr schwachem Grund;
  38. Ghasel 38: Ohne die Sonne deines Gesichts blieb meinem Tag kein Licht,
  39. Ghasel 39: Was braucht mein Garten Zypresse und Pinie?
  40. Ghasel 40: Gott sei Dank, dass die Tür der Schenke offen ist,
  41. Ghasel 41: Obwohl der Wein froh macht und der Wind Rosen streut,
  42. Ghasel 42: Dir den Zustand meines Herzens zu sagen ist mein Wunsch;
  43. Ghasel 43: Der Gartenhof schenkt Freude, und die Gesellschaft der Freunde ist schön;
  44. Ghasel 44: Nun, da die Rose einen Becher klaren Weins in der Hand hält,
  45. Ghasel 45: In dieser Zeit ist der Gefährte, der frei von Makel ist,
  46. Ghasel 46: Die Rose an der Brust, Wein in der Hand und die Geliebte nach Wunsch:
  47. Ghasel 47: Jeder Wanderer, der den Weg zur Gasse der Schenke kannte,
  48. Ghasel 48: Der Sufi erkannte das verborgene Geheimnis am Schein des Weins;
  49. Ghasel 49: Der Garten des höchsten Paradieses ist die Klause der Derwische;
  50. Ghasel 50: In der Schlinge deiner Locke ist das Herz sein eigener Gefangener;
  51. Ghasel 51: Ein saftiger Rubin, der nach Blut dürstet, ist die Lippe meiner Geliebten,
  52. Ghasel 52: Seit langer Zeit ist die Leidenschaft für die Schönen meine Religion;
  53. Ghasel 53: Ich bin der, dem der Winkel der Schenke das Derwischkloster ist;
  54. Ghasel 54: Vom Weinen sitzt die Pupille meines Auges im Blut;
  55. Ghasel 55: Die Krümmung deiner Locke ist die Falle für Unglauben und Glauben;
  56. Ghasel 56: Das Herz ist das Zelt seiner Liebe;
  57. Ghasel 57: Jener Dunkelhäutige, bei dem alle Süße der Welt ist,
  58. Ghasel 58: Unser ergebenes Haupt und die Schwelle der Gegenwart des Freundes,
  59. Ghasel 59: Ich hoffe auf eine Zuneigung von der Seite des Freundes;
  60. Ghasel 60: Jener berühmte Bote, der aus dem Land des Freundes kam,
  61. Ghasel 61: Morgenwind, wenn dein Weg dich ins Land des Freundes führt,
  62. Ghasel 62: Willkommen, Bote der Sehnsüchtigen; gib die Botschaft des Freundes,
  63. Ghasel 63: Dein Gesicht sah niemand, und du hast tausend Aufpasser;
  64. Ghasel 64: Obwohl es unhöflich ist, vor dem Freund sein Können zu zeigen,
  65. Ghasel 65: Was ist schöner als Genuss, Gesellschaft, Garten und Frühling?
  66. Ghasel 66: Klage, Nachtigall, wenn du mir Freund sein willst,
  67. Ghasel 67: O Herr, aus wessen Haus ist diese herzerhellende Kerze?
  68. Ghasel 68: Mein Mond ging diese Woche fort, und meinen Augen ist es ein Jahr;
  69. Ghasel 69: Es gibt keinen, der nicht jener doppelten Locke verfallen ist;
  70. Ghasel 70: Die Pupille unseres Auges schaut auf nichts als dein Gesicht;
  71. Ghasel 71: Der Asket, der den Schein anbetet, weiß nichts von unserem Zustand;
  72. Ghasel 72: Der Weg der Liebe ist ein Weg, der kein Ufer hat;
  73. Ghasel 73: Es gibt keinen Blick, der nicht vom Schein deines Gesichts erhellt wäre;
  74. Ghasel 74: Der Ertrag der Werkstatt von Sein und Raum ist nicht so viel;
  75. Ghasel 75: Der Schlaf deines verführerischen Narzissenauges ist nicht ohne Grund;
  76. Ghasel 76: Außer deiner Schwelle habe ich in der Welt keine Zuflucht;
  77. Ghasel 77: Eine Nachtigall hielt ein schönfarbiges Rosenblatt im Schnabel,
  78. Ghasel 78: Du sahst, dass der Freund nichts als Härte und Unrecht im Sinn hatte;
  79. Ghasel 79: Nun, da aus dem Garten der Hauch des Paradieses weht,
  80. Ghasel 80: Tadle die Rends nicht, o Asket von reinem Wesen,
  81. Ghasel 81: In der Frühe sprach der Vogel der Wiese zur neu erblühten Rose:
  82. Ghasel 82: Jene feengesichtige Türkin, die gestern Nacht von unserer Seite ging,
  83. Ghasel 83: Wenn von deiner Moschuslocke ein Fehler ausging, ist es vorbei;
  84. Ghasel 84: Schenke, bring Wein, denn der Fastenmonat ist vergangen;
  85. Ghasel 85: Wir kosteten keinen Trank von ihrer Rubinlippe, und sie ging;
  86. Ghasel 86: Schenke, komm, denn die Freundin hat den Schleier vom Gesicht genommen;
  87. Ghasel 87: Deine Schönheit hat im Bund mit dem Liebreiz die Welt erobert;
  88. Ghasel 88: Ich hörte ein gutes Wort, das der Alte von Kanaan sprach:
  89. Ghasel 89: O Herr, schaffe einen Weg, dass meine Geliebte wohlbehalten
  90. Ghasel 90: O Wiedehopf des Morgenwinds, nach Saba sende ich dich;
  91. Ghasel 91: O du, meinem Blick entzogen, ich befehle dich Gott;
  92. Ghasel 92: Mein Herr, wie schön du gehst; von Kopf bis Fuß stürbe ich für dich.
  93. Ghasel 93: Welche Güte war es, dass plötzlich ein Tropfen deiner Feder
  94. Ghasel 94: Von jener herzerfreuenden Freundin habe ich Dank mit Klage;
  95. Ghasel 95: Stets macht mich der Hauch der Locken deines Haars trunken;
  96. Ghasel 96: Für unseren Schmerz gibt es kein Heilmittel. Zu Hilfe!
  97. Ghasel 97: Du bist es, der auf dem Haupt der Schönen eines Landes wie eine Krone sitzt;
  98. Ghasel 98: Wenn in deinem Bekenntnis das Blut des Liebenden erlaubt ist,
  99. Ghasel 99: Mein Herz ist in der Sehnsucht nach dem Gesicht von Farroch
  100. Ghasel 100: Gestern sprach der alte Weinhändler, gesegnet sei sein Andenken:
  101. Ghasel 101: Was sind Wein und Genuss im Verborgenen? Ein Tun ohne Fundament.
  102. Ghasel 102: Gestern Nacht brachte der Wind Kunde von der verreisten Freundin;
  103. Ghasel 103: Der Tag der Vereinigung mit denen, die uns liebten, sei unvergessen;
  104. Ghasel 104: Deine Schönheit sei die Sonne jedes Blicks;
  105. Ghasel 105: Trinkt der Sufi den Wein mit Maß, so bekomme er ihm wohl;
  106. Ghasel 106: Dein Leib bedürfe nie der Gunst der Ärzte;
  107. Ghasel 107: Deine Schönheit sei stets im Wachsen;
  108. Ghasel 108: O König, der Ball des Himmels sei in der Krümmung deines Schlägers;
  109. Ghasel 109: Lange ist es her, dass die Herzliebste eine Botschaft sandte;
  110. Ghasel 110: Im Alter fiel mir die Liebe zu einem jungen Menschen in den Kopf,
  111. Ghasel 111: Als der Widerschein deines Gesichts in den Spiegel des Bechers fiel,
  112. Ghasel 112: Der deiner Wange die Farbe von Rose und Heckenrose gab,
  113. Ghasel 113: Gestern Nacht sprach das Veilchen zur Rose und gab ein schönes Zeichen:
  114. Ghasel 114: Der Glücksvogel vom Gipfel der Seligkeit fällt in unsere Schlinge,
  115. Ghasel 115: Pflanze den Baum der Freundschaft, denn er trägt den Herzenswunsch als Frucht;
  116. Ghasel 116: Wer Schönheit und Flaum des Freundes vor Augen hat,
  117. Ghasel 117: Zur Zeit deines Gesichts braucht unser Herz die Wiese nicht,
  118. Ghasel 118: Wer einen Becher in der Hand hält,
  119. Ghasel 119: Das Herz, das das Verborgene zeigt und Dschamschids Becher besitzt,
  120. Ghasel 120: Ich habe ein Götzenbild, das um die Rose ein Schattendach aus Hyazinthen hält;
  121. Ghasel 121: Wer immer einen gesammelten Sinn und eine zarte Geliebte hat,
  122. Ghasel 122: Wer immer zur Seite der Gottesleute hält,
  123. Ghasel 123: Der Spielmann der Liebe hat wundersamen Klang und Weise;
  124. Ghasel 124: Sie, deren Hyazinthenhaar den Moschus in Qual versetzt,
  125. Ghasel 125: Eine Schöne ist nicht, wer Haar und schmale Taille hat;
  126. Ghasel 126: Die Seele hat ohne die Schönheit der Geliebten kein Verlangen nach der Welt;
  127. Ghasel 127: Der Mond hat nicht den Glanz deines Gesichts;
  128. Ghasel 128: Es gibt in der Stadt keine Schöne, die unser Herz davonträgt;
  129. Ghasel 129: Wenn der Wein den Kummer des Herzens nicht aus unserem Sinn trägt,
  130. Ghasel 130: In der Frühe erzählte die Nachtigall dem Morgenwind,
  131. Ghasel 131: Komm, denn der Türke des Himmels hat den Tisch des Fastens geplündert;
  132. Ghasel 132: Mit dem klaren Wasser des Weins vollzog ein Erkennender die Waschung,
  133. Ghasel 133: Der Sufi legte seine Schlinge und öffnete den Deckel seiner Trickkiste;
  134. Ghasel 134: Eine Nachtigall trank ihr Herzblut und gewann eine Rose;
  135. Ghasel 135: Wie der Wind werde ich zum Ende der Gasse der Freundin aufbrechen;
  136. Ghasel 136: Man kann die Hand nicht in den Ring jener doppelten Locke legen;
  137. Ghasel 137: Sie nahm mir das Herz und verbarg ihr Gesicht vor mir;
  138. Ghasel 138: Unvergessen sei, der zur Zeit der Abreise unser nicht gedachte,
  139. Ghasel 139: Ich legte das Gesicht auf ihren Weg, und sie kam nicht an mir vorbei;
  140. Ghasel 140: Die Herzensdiebin ging und gab denen, die ihr Herz verloren, keine Nachricht;
  141. Ghasel 141: Sahst du, o Herz, was der Liebeskummer abermals tat,
  142. Ghasel 142: Freunde, die Tochter der Rebe hat ihrer Verhüllung abgeschworen;
  143. Ghasel 143: Jahrelang verlangte das Herz von uns den Becher Dschamschids
  144. Ghasel 144: Auf das Geheimnis von Dschamschids Becher kannst du dann blicken,
  145. Ghasel 145: Ich weiß nicht, was für ein Rausch es ist, der sich uns zuwandte,
  146. Ghasel 146: Zur Zeit der Frühe brachte der Morgenwind einen Duft von der Locke der Freundin;
  147. Ghasel 147: Der Bote Morgenwind brachte mir gestern Nacht die Kunde,
  148. Ghasel 148: Wenn meine Geliebte den Becher zur Hand nimmt,
  149. Ghasel 149: Mein Herz nimmt keinen Weg als die Liebe zu den Mondgesichtigen;
  150. Ghasel 150: Wenn der Schenke den Wein auf diese Art in den Becher gießt,
  151. Ghasel 151: Die ganze Welt ist nicht einen Augenblick wert, den man im Kummer verbringt;
  152. Ghasel 152: In der Urewigkeit sprach der Strahl deiner Schönheit vom Erscheinen;
  153. Ghasel 153: In der Frühe, als der König des Ostens sein Banner auf die Berge pflanzte,
  154. Ghasel 154: Spiel eine Weise, zu deren Klang man einen Seufzer ausstoßen kann;
  155. Ghasel 155: Gehe ich ihr nach, so stiftet sie Unruhe;
  156. Ghasel 156: An Schönheit, Wesen und Treue reicht niemand an unseren Freund heran;
  157. Ghasel 157: Wer immer die Leidenschaft für deinen grünen Flaum im Kopf hat,
  158. Ghasel 158: Ich und den Wein verleugnen? Was soll das für eine Geschichte sein?
  159. Ghasel 159: Nicht alle Münze des Sufi ist rein und unvermischt;
  160. Ghasel 160: Schön ist die Zurückgezogenheit, wenn die Freundin meine Freundin ist,
  161. Ghasel 161: Wie soll ein Gemüt, das traurig ist, frische Verse hervorbringen?
  162. Ghasel 162: Schön kam die Rose, und nichts ist schöner,
  163. Ghasel 163: Die Rose ohne das Gesicht der Freundin ist nicht schön;
  164. Ghasel 164: Der Atem des Morgenwinds wird Moschus streuen;
  165. Ghasel 165: Die Liebe zu den Schwarzäugigen geht mir nicht aus dem Kopf;
  166. Ghasel 166: Der Tag der Trennung und die Nacht der Ferne vom Freund sind zu Ende;
  167. Ghasel 167: Ein Stern leuchtete auf und wurde zum Mond der Runde;
  168. Ghasel 168: Die Seele schmolz, damit die Sache des Herzens vollendet würde, und es geschah nicht;
  169. Ghasel 169: Freundschaft sehen wir bei niemandem; was ist aus den Freunden geworden?
  170. Ghasel 170: Der zurückgezogene Asket ging gestern Nacht in die Schenke;
  171. Ghasel 171: Gestern Nacht kam vom Hof des Asaf ein Bote mit froher Kunde:
  172. Ghasel 172: Die Liebe zu dir erwies sich als Schössling des Staunens;
  173. Ghasel 173: Im Gebet kam mir die Krümmung deiner Braue in den Sinn;
  174. Ghasel 174: Frohe Botschaft, o Herz: Der Morgenwind ist zurückgekehrt;
  175. Ghasel 175: Der Morgenwind kam, den alten Weinhändler zu beglückwünschen:
  176. Ghasel 176: In der Frühe kam das wache Glück an mein Lager
  177. Ghasel 177: Nicht jeder, der das Gesicht erstrahlen lässt, versteht Herzen zu gewinnen;
  178. Ghasel 178: Wer Vertrauter des Herzens wurde, blieb im Heiligtum des Freundes,
  179. Ghasel 179: Die frohe Botschaft kam, dass die Tage des Kummers nicht bleiben werden;
  180. Ghasel 180: O du, deren Pistazienmund über die Rede vom Kandis gelacht hat,
  181. Ghasel 181: Von nun an meine Hand und der Saum jener hohen Zypresse,
  182. Ghasel 182: Du schriebst keinen Bericht, wie es dir geht, und einige Tage vergingen;
  183. Ghasel 183: Gestern zur Zeit der Frühe erlöste man mich vom Kummer,
  184. Ghasel 184: Gestern Nacht sah ich, wie die Engel an die Tür der Schenke klopften;
  185. Ghasel 185: Ob es wohl geschieht, dass man die Münzen auf ihren Gehalt prüft,
  186. Ghasel 186: Wenn der Weinhändler den Rends ihr Anliegen erfüllt,
  187. Ghasel 187: O Herz, brenne, denn dein Brennen wird Dinge bewirken;
  188. Ghasel 188: Jener Vorwitzige tadelt mich für Rendtum und Liebe,
  189. Ghasel 189: Wenn der Vogel des Glücks noch einmal vorüberzieht,
  190. Ghasel 190: Deine moschusschwarze Feder trägt an dem Tag, da sie unser gedenkt,
  191. Ghasel 191: Wer ist es, der aus Großmut uns die Treue hält
  192. Ghasel 192: Warum hat meine wandelnde Zypresse keine Neigung zur Wiese?
  193. Ghasel 193: Über unser Spiel der Blicke staunen die Ahnungslosen;
  194. Ghasel 194: Die Jasminduftenden lassen, wenn sie sich setzen, den Staub des Kummers sinken;
  195. Ghasel 195: Die Kronenträger sind Sklaven deiner trunkenen Narzisse;
  196. Ghasel 196: Jene, die mit einem Blick Staub in Gold verwandeln,
  197. Ghasel 197: Wenn die Schönen auf diese Weise weiter Herzen rauben,
  198. Ghasel 198: Ich sprach: «Wann machen dein Mund und deine Lippe mich glücklich?»
  199. Ghasel 199: Die Prediger, die in Gebetsnische und auf der Kanzel solchen Glanz entfalten,
  200. Ghasel 200: Weißt du, was Harfe und Laute vortragen?
  201. Ghasel 201: Unvermischter Wein und ein schöner Schenke sind zwei Fallen am Weg,
  202. Ghasel 202: Ob man wohl die Türen der Schenken wieder öffnet
  203. Ghasel 203: Jahrelang lag unser Heft als Pfand für den roten Wein;
  204. Ghasel 204: Gedacht sei der Zeit, da du im Verborgenen einen Blick für uns hattest
  205. Ghasel 205: Solange es Namen und Spur von Schenke und Wein gibt,
  206. Ghasel 206: Früher hattest du mehr Gedanken für die Liebenden als jetzt;
  207. Ghasel 207: Gedacht sei der Zeit, da das Ende deiner Gasse meine Wohnstatt war
  208. Ghasel 208: Wenn die Verwundeten das Verlangen haben und nicht die Kraft,
  209. Ghasel 209: Der Tod dieses Verwundeten durch dein Schwert war nicht bestimmt;
  210. Ghasel 210: Gestern Nacht ging in unserem Kreis die Erzählung um deine Locken;
  211. Ghasel 211: Gestern Nacht kam er, und sein Gesicht war entflammt;
  212. Ghasel 212: Gestern in der Frühe waren mir ein, zwei Becher zugefallen,
  213. Ghasel 213: Das Juwel in der Schatzkammer der Geheimnisse ist dasselbe wie einst;
  214. Ghasel 214: Ich sah in einem süßen Traum, dass ich einen Becher in der Hand hielt;
  215. Ghasel 215: In der Gasse der Schenke, o Herr, welch ein Treiben war in der Frühe,
  216. Ghasel 216: Jener Freund, durch den unser Haus die Wohnung einer Fee war,
  217. Ghasel 217: O ihr Muslime, ich hatte einst ein Herz,
  218. Ghasel 218: Wer in der Urzeit der Gabe des Glücks für würdig befunden wurde,
  219. Ghasel 219: Nun, da auf der Wiese die Rose aus dem Nichtsein ins Dasein trat,
  220. Ghasel 220: Aus dem Auge fließt das Herzblut ganz über unser Gesicht;
  221. Ghasel 221: Lege ich die Hand an die Spitze seiner Locke, so gerät er in Zorn;
  222. Ghasel 222: Wer vom Ende deiner Gasse aus Überdruss fortgeht,
  223. Ghasel 223: Nie wird dein Bild von der Tafel meines Herzens und meiner Seele weichen;
  224. Ghasel 224: Glücklich das Herz, das nicht ständig dem Blick nachläuft,
  225. Ghasel 225: Schenke, die Rede geht von Zypresse, Rose und Tulpe,
  226. Ghasel 226: Ich fürchte, die Tränen zerreißen den Schleier unseres Kummers,
  227. Ghasel 227: Mag dieses Wort dem Prediger der Stadt auch nicht leichtfallen:
  228. Ghasel 228: Wenn ich eine Frucht aus deinem Garten pflücke, was ist dabei?
  229. Ghasel 229: Das Glück gibt mir kein Zeichen vom Mund des Freundes;
  230. Ghasel 230: Wenn es mein Herz zum moschusduftenden Wein zieht, ist es recht,
  231. Ghasel 231: Ich sprach: «Ich trage Kummer um dich.» Er sprach: «Dein Kummer geht zu Ende.»
  232. Ghasel 232: Ich bin entschlossen, wenn es in meiner Macht steht,
  233. Ghasel 233: Ich lasse nicht vom Suchen, bis mein Wunsch sich erfüllt:
  234. Ghasel 234: Wenn die Sonne des Weins aus dem Osten des Bechers aufgeht,
  235. Ghasel 235: O glückliche Zeit, in der der Freund zurückkehrt,
  236. Ghasel 236: Wenn jener heilige Vogel durch meine Tür zurückkehrt,
  237. Ghasel 237: Der Atem ging aus, und mein Wunsch von dir erfüllt sich nicht;
  238. Ghasel 238: Mit der Mondsichel zog die Welt Farbe auf die Braue des Festes;
  239. Ghasel 239: Die frohe Kunde kam, dass der Frühling da ist und das Grün gesprossen;
  240. Ghasel 240: Die Märzwolke stieg auf, der Neujahrswind wehte;
  241. Ghasel 241: Gefährten, gedenkt des Kameraden eurer Nächte;
  242. Ghasel 242: Komm, denn das Banner des siegreichen Königs ist eingetroffen;
  243. Ghasel 243: Wer deinen süßen Duft vom Ostwind vernahm,
  244. Ghasel 244: Gefährten, löst den Knoten aus der Locke des Freundes;
  245. Ghasel 245: O Papagei, der du von Geheimnissen sprichst,
  246. Ghasel 246: Es ist Fest, das Ende der Rosen, und die Freunde warten;
  247. Ghasel 247: Ostwind, versage nicht den Gang zur Wohnstatt des Geliebten,
  248. Ghasel 248: O Ostwind, bring mir einen Duft aus der Gasse eines gewissen Jemand;
  249. Ghasel 249: Ostwind, bring einen Duft vom Staub am Weg des Freundes;
  250. Ghasel 250: Zeig dein Gesicht und nimm mir mein eigenes Dasein aus dem Gedächtnis;
  251. Ghasel 251: Es ist die Nacht der Vereinigung, und der Brief der Trennung ist zusammengefaltet;
  252. Ghasel 252: Wenn das Leben reicht, gelange ich noch einmal in die Schenke
  253. Ghasel 253: O du, durch dessen Gesichtsglanz das Tulpenbeet des Lebens froh ist,
  254. Ghasel 254: Wieder sang vom Zweig der schlanken Zypresse die geduldige Nachtigall:
  255. Ghasel 255: Der verlorene Josef kehrt nach Kanaan zurück, gräme dich nicht.
  256. Ghasel 256: Ich gebe dir einen Rat; höre zu und such keine Ausrede:
  257. Ghasel 257: Zeig dein Gesicht und sag mir: «Lös dein Herz vom Leben.»
  258. Ghasel 258: Tausend Dank, dass ich dich nach meinem Wunsch wiedersah,
  259. Ghasel 259: Ich bin es, der die Augen auf den Anblick des Freundes geöffnet hat;
  260. Ghasel 260: O Zypresse der Anmut der Schönheit, die du so lieblich in Stolz einhergehst,
  261. Ghasel 261: Tritt ein, damit ins müde Herz die Kraft zurückkehrt;
  262. Ghasel 262: Wer erzählt wieder vom Zustand derer, denen das Herz blutet?
  263. Ghasel 263: Komm und setz unser Boot auf den Strom des Weins;
  264. Ghasel 264: Steh auf und gieß das Wasser der Freude in die goldene Schale,
  265. Ghasel 265: Mein Wunsch, aus dem Verlangen nach deiner Lippe, hat sich noch nicht erfüllt;
  266. Ghasel 266: Mein Herz ist zu einer Zigeunergleichen entlaufen, die Aufruhr stiftet,
  267. Ghasel 267: Ostwind, wenn du am Ufer des Flusses Aras vorüberkommst,
  268. Ghasel 268: Eine Rosenwangige aus dem Rosengarten der Welt genügt uns;
  269. Ghasel 269: O Herz, dein wohlmeinendes Glück genügt dir als Reisegefährte;
  270. Ghasel 270: Ich habe einen solchen Liebesschmerz ertragen: Frag nicht.
  271. Ghasel 271: Ich habe über seine schwarze Locke solche Klagen: Frag nicht.
  272. Ghasel 272: Komm zurück und sei meinem beengten Herzen der Gefährte der Seele,
  273. Ghasel 273: Wenn du ein gütiger Gefährte bist, halte dein Versprechen;
  274. Ghasel 274: Nimm zur Zeit der Tulpe den Becher und sei ohne Heuchelei;
  275. Ghasel 275: Sufi, pflück eine Rose und gib die Flickenkutte dem Dorn;
  276. Ghasel 276: Wenn der Gärtner fünf Tage die Gesellschaft der Rose haben will,
  277. Ghasel 277: Der Nachtigall ganzes Denken ist, dass die Rose ihr Freund wird;
  278. Ghasel 278: Ich will einen bitteren Wein, dessen Kraft einen Mann zu Boden wirft,
  279. Ghasel 279: Wie schön ist Schiras und seine unvergleichliche Lage!
  280. Ghasel 280: Als der Ostwind seine amberstreuende Locke zerzauste,
  281. Ghasel 281: O Herr, diese lächelnde junge Rose, die du mir anvertraut hast,
  282. Ghasel 282: Er raubte mir Ruhe, Kraft und Verstand,
  283. Ghasel 283: In der Frühe kam mir von der Stimme des Verborgenen frohe Kunde ans Ohr:
  284. Ghasel 284: Gestern Nacht sprach eine Stimme aus dem Winkel der Schenke:
  285. Ghasel 285: Zur Zeit des Königs, der Fehler vergibt und Vergehen zudeckt,
  286. Ghasel 286: Gestern Nacht sagte mir im Verborgenen ein scharfsinniger Kenner,
  287. Ghasel 287: O du, dessen ganze Gestalt gefällt und an dem alles lieblich ist,
  288. Ghasel 288: Der Rand des Wassers, der Fuß der Weide, dichterische Stimmung und ein angenehmer Freund;
  289. Ghasel 289: Seine mondgleiche Wange ist der Sammelplatz von Schönheit und Anmut,
  290. Ghasel 290: Mein Herz ist davongelaufen, und ich armer Derwisch weiß nicht,
  291. Ghasel 291: Wir haben in dieser Stadt unser Glück erprobt;
  292. Ghasel 292: Ich schwöre bei Pracht, Rang und Herrlichkeit von Schah Schodscha,
  293. Ghasel 293: Am Morgen, wenn aus dem Gemach im Palast der Schöpfung
  294. Ghasel 294: In der Treue zu deiner Liebe bin ich berühmt unter den Schönen wie die Kerze;
  295. Ghasel 295: In der Frühe ging ich, vom Duft des Rosengartens gelockt, eine Weile in den Garten,
  296. Ghasel 296: Wenn mein Stern mir beisteht, bekomme ich seinen Saum zu fassen;
  297. Ghasel 297: Die Zunge der Feder hat keinen Sinn dafür, die Trennung auszusprechen;
  298. Ghasel 298: Ein sicherer Ort, unvermischter Wein und ein gütiger Freund:
  299. Ghasel 299: Wenn du Wein trinkst, gieß einen Schluck auf die Erde;
  300. Ghasel 300: Wenn tausend Feinde es auf mein Verderben absehen,
  301. Ghasel 301: O du, an dessen Lippe mein wundes Herz das Recht des Salzes hat,
  302. Ghasel 302: Sei ein Bote guter Nachricht, o Hauch des Nordens,
  303. Ghasel 303: Ich habe den Hauch der Zuneigung gerochen und den Blitz der Vereinigung gesehen;
  304. Ghasel 304: Herr der Welt, Helfer des Glaubens, vollkommener Herrscher,
  305. Ghasel 305: Zur Rosenzeit schämte ich mich, dem Wein abgeschworen zu haben;
  306. Ghasel 306: Wenn mir die Möglichkeit gegeben wird, in deine Gasse zu gelangen,
  307. Ghasel 307: Jeden feinen Zug, den ich zur Beschreibung jener Gestalt sagte,
  308. Ghasel 308: O du, dessen Gesicht wie das Paradies und dessen Rubin die Quelle Salsabil ist,
  309. Ghasel 309: Liebesspiel und Jugend und rubinfarbener Wein;
  310. Ghasel 310: Willkommen, Vogel mit gesegnetem Schritt und glücklicher Botschaft!
  311. Ghasel 311: Ich bin verliebt in das Gesicht eines schönen, eben erblühten Jünglings,
  312. Ghasel 312: Frohe Kunde, denn die Sicherheit hat sich in Dhu Salam niedergelassen;
  313. Ghasel 313: Komm zurück, Schenke, denn ich bin begierig zu dienen,
  314. Ghasel 314: Gestern Nacht raubte mich die Mattigkeit deines Auges dahin,
  315. Ghasel 315: Abgesehen davon, dass mir Glaube und Wissen aus der Hand glitten,
  316. Ghasel 316: Gib deine Locke nicht dem Wind preis, sonst gibst du mich dem Wind preis;
  317. Ghasel 317: Ich sage es offen und bin froh über das, was ich sage:
  318. Ghasel 318: Du siehst mich, und jeden Augenblick mehrst du meinen Schmerz;
  319. Ghasel 319: Jahrelang folgte ich der Lehre der Rends,
  320. Ghasel 320: Gestern Nacht versperrte ich mit einer Tränenflut dem Schlaf den Weg;
  321. Ghasel 321: Bin ich auch alt, müden Herzens und kraftlos geworden,
  322. Ghasel 322: Ich zeichnete das Bild deiner Gestalt in der Werkstatt meines Auges;
  323. Ghasel 323: Wegen meiner eigenen zu kurzen Hand trage ich eine Last,
  324. Ghasel 324: Obwohl von seiner Locke ein Knoten in meine Sache fiel,
  325. Ghasel 325: Wenn mir der Staub von der Fußsohle meiner Geliebten in die Hand kommt,
  326. Ghasel 326: Im verborgenen Haus der Freude habe ich einen lieblichen Abgott,
  327. Ghasel 327: Ich habe einen Bund mit dem Geliebten: Solange Leben in meinem Leib ist,
  328. Ghasel 328: Wer bin ich, dass ich durch jenen duftenden Sinn gehen sollte?
  329. Ghasel 329: In der Frühe legten die Zwillinge ihr Wehrgehänge vor mir nieder,
  330. Ghasel 330: Du bist wie der Morgen, und ich bin die Kerze der Einsamkeit in der Frühe;
  331. Ghasel 331: Tötet er mich mit dem Schwert, so halte ich seine Hand nicht auf;
  332. Ghasel 332: Triff mein Herz nicht mit dem Pfeil deines Blicks,
  333. Ghasel 333: Beim Abendgebet der Fremden, wenn ich zu weinen beginne,
  334. Ghasel 334: Wenn meine Hand wieder an deine beiden Locken gelangt,
  335. Ghasel 335: Wenn mich mein Weg wieder in die Schenke der Magier führt,
  336. Ghasel 336: Wo ist die frohe Kunde von der Vereinigung mit dir, damit ich mich vom Leben selbst erhebe?
  337. Ghasel 337: Warum sollte ich nicht entschlossen in mein eigenes Land zurückkehren?
  338. Ghasel 338: Ich bin ein Liebhaber des schönen Gesichts und des herzbetörenden Haars;
  339. Ghasel 339: Wenn das Bild deines Gesichts durch den Rosengarten des Auges zieht,
  340. Ghasel 340: Ich, der ich vom Feuer des Herzens gäre wie der Weinkrug,
  341. Ghasel 341: Wenn ich mir um den Tadel der Angeber Gedanken machte,
  342. Ghasel 342: Der Staub meines Leibes wird zum Schleier vor dem Gesicht der Seele;
  343. Ghasel 343: Mehr als vierzig Jahre sind vergangen, in denen ich mich rühme,
  344. Ghasel 344: Ein Leben lang gehe ich im Suchen jeden Tag einen Schritt;
  345. Ghasel 345: Ohne dich, o wandelnde Zypresse, was soll ich mit Rose und Rosengarten?
  346. Ghasel 346: Ich bin nicht der Rend, der Schöne und Becher aufgibt;
  347. Ghasel 347: O Abgott, was soll ich gegen den Kummer der Liebe zu dir ersinnen?
  348. Ghasel 348: Ich mache mein Auge zum Meer und werfe die Geduld in die Wüste,
  349. Ghasel 349: Gestern Nacht sagte ich: «Ich schlage mir die Leidenschaft für sein Gesicht aus dem Kopf.»
  350. Ghasel 350: In der Frühe sagte ich, zur Reue entschlossen: «Ich will das Los befragen.»
  351. Ghasel 351: Gott bewahre, dass ich zur Rosenzeit dem Wein entsage;
  352. Ghasel 352: Eine lange Zeit ist es, dass ich in der Schenke diene;
  353. Ghasel 353: Ich gebe die Liebe zu Schöner und Becher nicht auf;
  354. Ghasel 354: Mit schwarzen Wimpern hast du tausend Breschen in meinen Glauben geschlagen;
  355. Ghasel 355: Vorerst sehe ich das Gebot der Stunde darin,
  356. Ghasel 356: Wenn es in meiner Macht steht, mit dem Herzensfreund zu sitzen,
  357. Ghasel 357: In der Schenke der Magier sehe ich das Licht Gottes;
  358. Ghasel 358: Für den Kummer der Zeit, dessen Ufer ich nicht sehe,
  359. Ghasel 359: Glücklich der Tag, an dem ich diese verfallene Raststätte verlasse,
  360. Ghasel 360: Wenn ich von dieser verfallenen Raststätte nach Hause gehe,
  361. Ghasel 361: Dem, der mich mit Härte wie den Staub des Weges zertrat,
  362. Ghasel 362: Die Begegnung ist zustande gekommen, und Kuss und Umarmung auch;
  363. Ghasel 363: Mein Schmerz kommt vom Freund, und mein Heilmittel auch;
  364. Ghasel 364: Wir sorglosen Trunkenen, die das Herz verloren haben,
  365. Ghasel 365: Ein Leben lang ist es her, dass wir das Gesicht dem Weg des Kummers um dich zuwandten
  366. Ghasel 366: Wir sind nicht um Prunk und Rang an diese Tür gekommen;
  367. Ghasel 367: Ich habe einen Rechtsspruch des Meisters der Magier, und es ist ein altes Wort,
  368. Ghasel 368: Steh auf, damit wir an der Tür der Schenke um Öffnung bitten,
  369. Ghasel 369: Wir erwarteten von den Freunden Freundschaft;
  370. Ghasel 370: Welche Tugend suchst du bei uns? Wir haben die Trunkenen zum Mahl gerufen;
  371. Ghasel 371: Wir haben die Lektion der Frühe auf den Weg zur Schenke gelegt;
  372. Ghasel 372: Lass uns an der Straße der Schenke vorübergehen,
  373. Ghasel 373: Steh auf, damit wir die Kutte des Sufis in die Schenke tragen
  374. Ghasel 374: Komm, lass uns Rosen streuen und Wein in den Becher gießen;
  375. Ghasel 375: Sufi, komm, lass uns die Kutte der Verstellung ablegen
  376. Ghasel 376: Freunde, zur Rosenzeit ist es das Beste, dass wir uns um Freude bemühen;
  377. Ghasel 377: Eines Nachts werden wir die Hände erheben und ein Gebet sprechen
  378. Ghasel 378: Wir reden nichts Schlechtes und neigen nicht zum Unrecht;
  379. Ghasel 379: Mein Kopf ist heiter, und ich sage es mit lauter Stimme:
  380. Ghasel 380: Oft habe ich es gesagt und sage es noch einmal:
  381. Ghasel 381: Sind wir auch die Knechte des Königs,
  382. Ghasel 382: Wenn du kommst, sprich über einem Kranken und Erschöpften eine Fatiha;
  383. Ghasel 383: Sooft ich den Ärzten meinen Kummer klagte,
  384. Ghasel 384: Ich brenne von der Trennung von dir: Wende dein Gesicht von der Härte ab.
  385. Ghasel 385: O Herr, bring jene moschusduftende Gazelle nach Chotan zurück,
  386. Ghasel 386: Um Gottes willen, sitz weniger bei den Kuttenträgern
  387. Ghasel 387: Der König derer mit dem Buchsbaumwuchs, der Herrscher der Süßmündigen,
  388. Ghasel 388: Frühling und Rose sind Freudenwecker und Reuebrecher geworden;
  389. Ghasel 389: Wie die Rose zerreiße ich jeden Augenblick bei deinem Duft
  390. Ghasel 390: Die Krone des Sultans Rose ist am Rand der Wiese erschienen;
  391. Ghasel 391: Was könnte schöner sein als der Gedanke an Wein und Becher?
  392. Ghasel 392: Weißt du, was Glück ist? Das Gesicht des Freundes zu sehen;
  393. Ghasel 393: Ich bin es, der in der Stadt dafür berühmt ist, die Liebe zu pflegen;
  394. Ghasel 394: O du, dessen mondgleiches Gesicht der junge Frühling der Schönheit ist,
  395. Ghasel 395: Mach die moschusdunkle Hyazinthe zum Schleier für das Rosenblatt;
  396. Ghasel 396: Es ist Morgen, Schenke: Füll einen Becher mit Wein.
  397. Ghasel 397: Tritt zur Tür herein und erleuchte unser Nachtgemach;
  398. Ghasel 398: O Licht meiner Augen, es gibt ein Wort: Höre.
  399. Ghasel 399: Wirf einen koketten Blick und brich den Markt der Zauberei;
  400. Ghasel 400: Meine hochgewachsene, kokette, listige Geliebte
  401. Ghasel 401: Wenn ich zum Staub seines Weges werde, schüttelt er den Saum von mir ab;
  402. Ghasel 402: Ich sage dir etwas Reizendes: Sieh das Mal jenes Mondgesichts;
  403. Ghasel 403: Trink rubinroten Wein und sieh das Gesicht der Mondstirnigen an;
  404. Ghasel 404: Wirf auf die Reihe der Rends einen besseren Blick als diesen;
  405. Ghasel 405: Beim Leben des Alten der Schenke und beim Recht seiner Gesellschaft:
  406. Ghasel 406: Er sagte: Du gingst hinaus, den Neumond zu betrachten;
  407. Ghasel 407: Ich sah das grüne Feld des Himmels und die Sichel des Neumonds;
  408. Ghasel 408: O du, dessen Schönheit die Sonne zum Spiegelhalter hat
  409. Ghasel 409: O du, dessen Wegstaub der Blutpreis des Moschus von China ist;
  410. Ghasel 410: O du, an dessen Gestalt das Gewand des Königtums genau sitzt;
  411. Ghasel 411: Deine moschusverströmende Stirnlocke lässt das Veilchen sich winden;
  412. Ghasel 412: Ich habe ein Auge, das Blut vergießt wegen jener mit der Bogenbraue;
  413. Ghasel 413: Der Flaum auf der Wange des Freundes, der den Mond verfinstert,
  414. Ghasel 414: Der Rosenstrauch der Freude blüht: Wo ist der rosenwangige Schenke?
  415. Ghasel 415: O Bote der Wahrhaftigen, sag uns Nachricht von unserem Freund;
  416. Ghasel 416: Willkommen der ambraduftende Hauch, der ersehnte Wohlgeruch,
  417. Ghasel 417: Meine Freude dauert an, dank der ersehnten Rubinlippe;
  418. Ghasel 418: Wenn es in der Gasse jenes Mondes Schwerter regnet,
  419. Ghasel 419: Die Vereinigung mit ihm ist besser als ewiges Leben;
  420. Ghasel 420: Plötzlich hast du den Schleier abgeworfen: Was soll das heißen?
  421. Ghasel 421: Die Tür des Hauses der Magier war gefegt und besprengt;
  422. Ghasel 422: O du, der du mit der Kette der langen Locke gekommen bist,
  423. Ghasel 423: Gestern Nacht ging ich schlaftrunken zur Tür der Schenke,
  424. Ghasel 424: Trenn dich nicht von mir, denn du bist das Licht meiner Augen,
  425. Ghasel 425: Er ging, den Saum nachziehend, in goldbesticktem feinem Leinen vorüber;
  426. Ghasel 426: Mit Herzblut schrieb ich dem Freund einen Brief:
  427. Ghasel 427: Die Kerze wurde zum Falter an der Lampe deines Gesichts;
  428. Ghasel 428: In der Morgenfrühe, noch schwer vom nächtlichen Trinken,
  429. Ghasel 429: Schenke, komm, denn der Kelch der Tulpe hat sich mit Wein gefüllt;
  430. Ghasel 430: Wenn du beim Ruf von Nachtigall und Turteltaube keinen Wein trinkst,
  431. Ghasel 431: Ich küsse seine Lippe und trinke den Wein aus;
  432. Ghasel 432: Ich schmachte nach dem Becher der Liebe: Schenke, gib Wein;
  433. Ghasel 433: O du, der du einen Schleier aus moschusdunklem Flaum über den Mond geworfen hast,
  434. Ghasel 434: O Herz, sei keinen Augenblick leer von Liebe und Rausch,
  435. Ghasel 435: Sagt dem Anmaßenden die Geheimnisse von Liebe und Rausch nicht,
  436. Ghasel 436: Hätte jener mit dem duftenden Flaum uns einen Brief geschrieben,
  437. Ghasel 437: O du, von dessen Gasse die Geschichte des Paradieses nur eine Erzählung ist
  438. Ghasel 438: Salma hat mit den Locken ihrer Schläfen mein Herz gefangen,
  439. Ghasel 439: Ich sah gestern Nacht im Traum, dass ein Mond aufging,
  440. Ghasel 440: In der Frühe erzählte ich dem Wind die Geschichte meines Sehnens;
  441. Ghasel 441: Wie wäre es, wenn das Herz jenes Mondes gütig wäre?
  442. Ghasel 442: Bei seinem Leben: Hätte ich mein eigenes Leben in Reichweite,
  443. Ghasel 443: Wenn du wie die Zypresse einen Augenblick im Rosengarten wandelst,
  444. Ghasel 444: Es ist eine Stadt voll anmutiger Leute, und auf jeder Seite eine Schönheit;
  445. Ghasel 445: Du, der du alles hast, was man sich auf der Welt wünschen kann,
  446. Ghasel 446: Ostwind, du trägst den Hauch jener moschusduftenden Locke;
  447. Ghasel 447: Komm, hege diesen Groll nicht gegen uns,
  448. Ghasel 448: O du, der du in der Gasse der Schenke einen Platz hast,
  449. Ghasel 449: O du, der du die Trennung der Liebenden für recht hältst
  450. Ghasel 450: Seit langem hältst du uns in Sorge;
  451. Ghasel 451: Das Himmelsrad hat dir am Tag des Urteils gut beigestanden;
  452. Ghasel 452: Mensch und Fee leben nur von der Gnade des Daseins der Liebe;
  453. Ghasel 453: O du, der du immer auf dich selbst stolz bist,
  454. Ghasel 454: Aus der Gasse des Freundes kommt der Hauch des Neujahrswinds;
  455. Ghasel 455: Das Leben verging in Fruchtlosigkeit und Launen;
  456. Ghasel 456: Es ist Frühling: Bemühe dich, frohen Herzens zu sein,
  457. Ghasel 457: Tausend Mühen gab ich mir, damit du mein Freund wirst,
  458. Ghasel 458: O Herz, in dem Augenblick, da du vom rosenfarbenen Wein zugrunde gerichtet bist,
  459. Ghasel 459: Mit diesem schönen Schriftzug, den du auf die Rose deiner Wange ziehst,
  460. Ghasel 460: Seit Sulaima sich im Irak niederließ,
  461. Ghasel 461: Ich schrieb die Geschichte meiner Sehnsucht, während mein Auge weinte;
  462. Ghasel 462: O lächelnder Mund, der einem Perlenkästchen gleicht,
  463. Ghasel 463: Der Friede Gottes, solange die Nächte wiederkehren
  464. Ghasel 464: Die Sache deiner Schönheit hat wie meine Liebe die Vollendung erreicht;
  465. Ghasel 465: Ich ging eines Morgens in den Garten, um eine Rose zu pflücken;
  466. Ghasel 466: Diese Kutte, die ich habe, ist besser für Wein verpfändet,
  467. Ghasel 467: Von jenem Wein der Liebe, durch den jeder Unreife reif wird,
  468. Ghasel 468: Wer trägt von mir, dem Bettler, eine Botschaft zu den Königen:
  469. Ghasel 469: Die Düfte des Lorbeers des geschützten Bezirks sind gekommen, und meine Leidenschaft wuchs;
  470. Ghasel 470: Meine Brust ist randvoll mit Schmerz: Ach, eine Salbe!
  471. Ghasel 471: Wer bringt mir von meinem Geliebten die Gunst eines Federstrichs?
  472. Ghasel 472: Ich preise Gott für die Gerechtigkeit des Sultans,
  473. Ghasel 473: Halte die Zeit für Gewinn, soweit du kannst;
  474. Ghasel 474: Ich bin dir zugetan, Liebste, und ich weiß, dass du es weißt,
  475. Ghasel 475: Die Leute sagten, du seist ein zweiter Joseph;
  476. Ghasel 476: Hauch des Morgens des Glücks, an dem Zeichen, das du kennst,
  477. Ghasel 477: Zwei kluge Freunde und zwei Maß alten Weins,
  478. Ghasel 478: Trink einen Becher Wein von vollem Maß,
  479. Ghasel 479: Es ist Morgen, und der Tau tropft aus der Winterwolke;
  480. Ghasel 480: O du, der du beim Töten von uns keine Schonung übst,
  481. Ghasel 481: Hör diesen Punkt, dann befreist du dich vom Kummer:
  482. Ghasel 482: O Herz, du gehst nicht durch die Gasse der Liebe;
  483. Ghasel 483: In der Morgenfrühe sagte ein Wanderer in einem Land
  484. Ghasel 484: Vielleicht solltest du dich mit deinem Verlangen ans Ufer eines Wassers setzen;
  485. Ghasel 485: Schenke, da sind der Schatten der Wolke, der Frühling und das Ufer des Bachs;
  486. Ghasel 486: Gestern Nacht trug die Nachtigall vom Zweig der Zypresse
  487. Ghasel 487: O du Ahnungsloser, bemühe dich, ein Wissender zu werden;
  488. Ghasel 488: In der Frühe sagte mir die Stimme der Schenke wohlwollend:
  489. Ghasel 489: O du, in dessen Gesicht die Lichter des Königtums sichtbar sind
  490. Ghasel 490: Im ganzen Kloster der Magier gibt es keinen so Verstörten wie mich:
  491. Ghasel 491: Ich habe die Braue eines Mondgesichtigen fest ins Auge gefasst;
  492. Ghasel 492: Ein Gruß, gleich dem guten Duft der Freundschaft,
  493. Ghasel 493: O König der Schönen, Hilfe gegen den Kummer der Einsamkeit;
  494. Ghasel 494: O Herz, wenn du aus jener Grube am Kinn herauskommst,
  495. Ghasel 495: »Verlange Wein und streue Rosen: Was suchst du von der Zeit?«